Mitgliedertag am 14.11.2025

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-Jutta McKenna-

Einmal in jedem Semester gibt es bei uns in der ParkAkademie einen besonderen Tag nur für Mitglieder als Dankeschön, zur Pflege der Gemeinschaft, zur Anregung. Dieses Mal hatten wir einige „Schmankerl“ vorbereitet, die gut 60 Mitglieder zu uns lockte.

Der Tag begann um elf Uhr mit der Begrüßung und einem kleinen Stehcafé-Empfang. Gut eine halbe Stunde später nahmen alle Platz, um den Vortrag von Dr. Karl Lauschke mit dem Titel „Geschichte der Stadt Dortmund in den letzten 50 Jahren“, passend zum Jahresthema, zu hören.




Dr. Lauschke erzählte, unterstützt von Bildern und Tabellen, von den zahlreichen Veränderungen in der wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt. Er berichtete vom Niedergang des Bergbaus Ende der 60er Jahre, dem Verlauf der Krise der Eisen- und Stahlindustrie ab 1975, dem starken Anstieg der Arbeitslosigkeit und dem Verschwinden des Namens „Hoesch“ aus dem Wirtschaftsleben nach der Übernahme durch Krupp und dann final durch die Fusion mit Thyssen 1997/98. Das war eine sehr schwierige Zeit für den Standort Dortmund. Die industriellen und gewerblichen Firmenzahlen brachen weitgehend ein.

Aber mit dem „Dortmund-Projekt“ ab ca. 2008 stiegen die Zahlen der Beschäftigten wieder an und zwar besonders auf dem Gebiet der Dienstleistungen und in der Forschung. Die Technische Hochschule mit ihren wichtigsten Instituten gewann an Bedeutung, das allererste Software Warenhaus MBP wird hier gegründet, die Entwicklung der Stadtkrone Ost nahm Fahrt auf und holte wichtige Firmen hierher. Das Gelände, auf dem mal die britische Rheinarmee mit ihren Einrichtungen und Soldaten stationiert war, bot dafür hervorragend an das Verkehrsnetz angebundene Flächen ebenso wie die aufgelassenen Gebiete der ehemaligen Industrieanlagen an anderen Standorten der Stadt.

Auch die öffentliche Struktur verbesserte sich rasant: die Stadtbahn mit bald 65 Kilometer Strecke, der Flughafen, ab 1979 mit Linienflügen, der Ausbau der Messestadt Westfalenhallen und des Westfalenstadions zum Iduna-Park in mehreren Abschnitten, das neue Rathaus, das weit über die Stadt hinausstrahlende Konzerthaus sowie Oper und Ballett und wichtige Museen wie z. B. das U. Die Liste lässt sich noch erweitern. Doch auch auf das Auf und Ab der Beschäftigtenzahlen und die sozialen Probleme der aktuellen Gegenwart wies der Referent gegen Ende seiner Ausführungen hin.

Aber die erfolgreichen Veränderungen, die Modernisierungen und das Wachstum unserer Stadt macht Hoffnung und Mut, sich den Herausforderungen der Zukunft stellen zu können.

Nach den Dankesworten unserer Vorsitzenden Marlies Schellbach an ihren Mann und einer halbstündigen Pause folgte der zweite Höhepunkt unserer Veranstaltung: die Currywurst! Unser Vorständler Achim Unverfehrt hatte diesen klassischen Ruhrgebietsimbiss für alle vorbereitet und der fand reißenden Absatz. Es wurden Gäste bis zu dreimal an der Ausgabe gesichtet. Wenn das kein Kompliment an die Küche war…! Bis auf kleinere Brotreste wurde alles aufgegessen. So soll es sein!

Und unser Tag ging weiter. Um 14.00 Uhr stellte uns Thorsten Trelenberg vom LiteraturRaumRuhr, der vielen Mitgliedern von früheren Veranstaltungen gut bekannt ist, gemeinsam mit Marlies Schellbach die außergewöhnliche Frau und Schriftstellerin Longa Scheel vor, die auch die erste Frau als Vorsitzende der ParkAkademie war. Als Ehrengast war Frau Antje Springorum, die Tochter von Longa Scheel, zu uns gekommen, um vom Leben und Wirken ihrer Mutter zu berichten.

Thorsten Trelenberg erzählte anschaulich, wie er Bekanntschaft mit dem literarischen Werk Scheels gemacht hatte, las Auszüge aus ihrem Werk und kommentierte. Und immer wieder ergänzte ihn Frau Springorum mit Beschreibungen oder Anekdoten über Longa Scheel. Auch Frau Schellbach fügte den lebhaften, teils lustigen und stets interessanten Gesprächen immer wieder ihre Gedanken zu Leben und Werk der Protagonistin hinzu.

Diese Autorin hat erst im jungendlichen Alter von 64 Jahren, nachdem sie Witwe geworden war, angefangen zu schreiben und ihre Texte zu veröffentlichen. Auch schon früher hatte sie Reden gehalten, aber eher privat oder halb öffentlich. Ihre erste Veröffentlichung hat sie beim Suhrkamp Verlag gemacht, und das will was heißen. Die Texte, die wir hörten, waren sehr abwechslungsreich, stark, auch humorvoll und immer war ein Dortmund-Bezug spürbar und sichtbar.

Es ist sehr zu wünschen, dass Longa Scheel durch diese Veranstaltung wieder hör- und sichtbarer werden möge. Diejenigen, die dabei waren, könnten erzählen von dem großen Talent und der Qualität ihrer Texte, von dem Tiefsinn der Heikus zum Beispiel, dem leicht hintersinnigen Humor, der sich bisweilen zeigte. Einige konnten ja auch Bücher mitnehmen, die Frau Springorum als Geschenke mitgebracht hatte. Und einige hatten Longa Scheel auch noch selber gekannt und berichteten von ihrer starken und ebenso liebenswürdigen Persönlichkeit.

Den Abschluss bildete eine Radioaufnahme aus 1990. Darin berichtete sie, wie sie den Kriegsbeginn am 1.9.1939 erlebt hatte. Ein sehr bewegendes und beeindruckendes Tondokument!

Gegen Viertel vor vier schloss Marlies Schellbach die Veranstaltung mit herzlichem Dank an alle Mitwirkenden für die tatkräftige Hilfe und natürlich auch an die Gäste für ihr zahlreiches Erscheinen und ihr Interesse. Was bleibt, ist die Erinnerung an einen Mitgliedertag mit vielen neuen Erkenntnissen, Informationen oder Begegnungen, wieder aufgefrischtem Wissen über die Stadt, ihre Geschichte und Menschen und, auch ganz wichtig, Freude am Zusammensein mit Freunden und Bekannten in unserem schönen Haus!